Stadtkirche

Gemeindebezirk und Pfarrer

Älteste und bis heute die zentrale Kirche unserer Kirchengemeinde im Herzen von Schwenningen, zwischen Marktplatz und Muslenplatz gelegen.

Ihr Turm, ein Wahrzeichen von Schwenningen- das älteste Gebäude in unserem Stadtbezirk.

Die Gemeindebezirke der Stadtkirche umfassen die Innenstadt, reichen im Osten bis zu den Siedlungsgebieten Deutenberg und Steinkirch, im Nord-Westen die äußere Sturmbühlstraße entlang bis zur Hochschule der Polizei, im Norden bis zur Markungsgrenze nach Dauchingen.

Insgesamt ca. 5500 Gemeindeglieder wohnen dort. Seit Mai 2012 gehört auch der ehemalige Markus-Bezirk (Markuskirche und Rinelen/Markuszentrum) als Bezirk Stadtkirche 3 "wieder" zur Stadtkirche, von der er 1956 als selbständiger Gemeindebezirk („Markusgemeinde“) abgetrennt worden war.
Ein gemeinsames Fest der bisherigen Stadtkirchen-Bezirke 1 und 2 gemeinsam mit dem dazugekommenen, ehemaligen Markus-Bezirk im Oktober 2014 hat in schöner Weise die neue Zusammengehörigkeit erleben lassen.
Pfarrer an der Stadtkirche sind Klaus Gölz (Stadtkirche 1), Andreas Güntter  (Stadtkirche 2) und Karin Ott (Stadtkirche 3).

Mehr Informationen zu den Pfarrern der Stadtkirche

Aus der Geschichte der Stadtkirche: Vincenzkirche- Dorfkirche...

historisches Bild der Stadtkirche 1921

Seit mindestens 1100 Jahren, womöglich schon 1200 Jahren,  steht auf dem Platz, den heute die Stadtkirche einnimmt, ein Gotteshaus. Seine wechselvolle Geschichte spiegelt das Schicksal eines Grenzdorfes, dessen Namen - Suaninga, Swenlingen, Schwenningen - 817 erstmals urkundlich sicher festgestellt werden kann.

Ursprünglich dem Heiligen Vincenz geweiht, gehörte die Kirche um 900 zum Kloster Zürich, wechselte samt Dorf mehrfach den Besitzer und wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts an das Herzogtum Württemberg verkauft. Danach hielten die Württemberger Herzöge und Könige über Jahrhunderte mit Nachdruck fest am Besitz dieses Dorfes auf der Baar – weil dort ja ihr Landesfluss, der Neckar, seinen Ursprung hatte.

Wenigstens zweimal wurden Kirche und Dorf nahezu restlos zerstört: Einmal am 20. Juni 1525 im Bauernkrieg, als die im Schwarzwald und auf der Baar besonders aktiven Bauernhaufen geschlagen waren und die Villinger blutige Rache für erlittene Schmach nahmen.

Ein zweites Mal dann am 22. und 23. Februar 1633 im Dreißigjährigen Krieg, als alle Schwenninger - sie waren 1534/35 mit Württemberg Protestanten geworden - fliehen mussten und das Dorf total verwüstet zurückblieb, unbewohnbar für wenigstens 1 ½ Jahre. Nur die massiven Grundmauern des wehrhaften Kirchturms trotzten beide Male den Flammen, deren Rauchspuren an manchen Steinen noch zu erkennen sind. Von daher ist dieser Turm bis heute das einzige Gebäude in Schwenningen aus der Zeit vor 1633.

Man versteht daher, dass Schwenningen keine alten, womöglich mittelalterlichen Kirchen haben kann. Schwenningen war durch die Jahrhunderte ein ungeschütztes württembergisches Grenzdorf im Unterschied zu Villingen, der mauerbewehrten vorderösterreichischen Stadt. Doch nach jeder Zerstörung haben die Schwenninger ihr Dorf und ihre Kirche wieder aufgebaut. Dieser Aufbau dauerte nach dem Dreißigjährigen Krieg freilich lange. Erst um 1700 war er abgeschlossen. Doch schon vier Jahre später wurde das Dorf von den Franzosen erneut geplündert und die Kirche ihrer Glocken beraubt.

Ihre jetzige äußere Gestalt bekam die Kirche 1834: Das Langschiff war zu klein geworden und wurde durch ein Querschiff ergänzt.

Spätere Renovierungen haben zwar Türen und Zugangsbereiche sowie insbesondere das Kircheninnere verändert, der äußere Baukorpus ist aber seit 1834 gleich geblieben.

Im Bereich der heutigen Fußgängerzone, gegenüber dem „City-Rondell“, war vor Jahrhunderten der Standort der Michaelskirche, der ursprünglich zweiten Schwenninger Kirche.

Die Kunstwerke der Kirche

Das Innere der Kirche wurde bei der Renovierung 1963/65 deutlich verändert.

Die bislang vorherrschende Kunst des 19. Jahrhunderts mit romantisierenden Elementen und einer gewissen Verspieltheit wurde nicht mehr geduldet.

Der Schwenninger Architekt Christian Schlenker trug die bauliche, Prof. Rudolf Yelin, Stuttgart, die künstlerische Verantwortung.

Der solide, aber nüchterne Stil der Nachkriegszeit ist unverkennbar, wie er in fast allen Kirchenneubauten und –umgestaltungen jener Jahre zu beobachten ist.

Nach dem überbordenden Pathos der Nazi-Zeit hatten die Menschen in gewisser Weise „genug vom Gefühl“- und fanden sich noch am ehesten wieder in schlichter,
praktischer, für uns heute eher kühl wirkenden Sachlichkeit.

Die blaue Farbe der Bänke, als Anklang an die Wasser-Symbolik der Bibel, stammt verständlicherweise nicht aus jener Zeit, sondern ist bei der Innensanierung 2001 hinzugekommen.

Die Altarwand

An zentraler Stelle steht die große Altarwand von Prof. Yelin, einfarbig weiß, eher abstrakt als konkret, an manchen Stellen für viele heutige Betrachter nicht ganz leicht zu deuten.

In der Mitte die Christusgestalt- als Gekreuzigter, mit ausgebreiteten Armen- jedoch weniger als Leidender, sondern vielmehr Auferstandener, Segnender und Einladender mit ausgebreiteten Armen.

Zur Meditation fordert auf: Der Gekreuzigte begegnet uns hier nicht als Schmerzensmann sondern als... Über ihm ist das himmlische Jerusalem mit seinen 12 Toren angedeutet (Offenbarung 21).

Im oberen Teil der Wand sind die Symbole abgebildet, die den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zugeschrieben werden: Engel und Löwe links, Stier und Adler rechts.

Im Mittelteil befinden sich auch hier wieder Bilder aus dem Alten Testament auf der linken und aus dem Neuen Testament auf der rechten Seite.

Links: Das Gesetz (Mose mit den zerschmetterten Gesetzestafeln) und die Propheten (eine Prophetengestalt) sowie Johannes der Täufer mit der Taube als Symbol des Noah-Bundes und des Geistes Gottes.

Rechts: Stephanus wehrt den Steinhagel seiner Feinde ab als erster Zeuge des Evangeliums, neben ihm ist Paulus zu sehen mit dem Schwert des Geistes und dem Buch als Darstellung des Wortes Gottes.

Im unteren Teil ist als Frucht des Gesetzes, der Propheten und der Apostel und als Manifestation des Geistes Gottes die Gemeinschaft der Apostel an Pfingsten dargestellt, wie sie den Heiligen Geist empfangen.

Martin Luther und Johannes Brenz

Bei der Renovierung 1963/65 wurde vieles „Alte“ aus der Stadtkirche verbannt, so auch diese beiden großen Bilder der Reformatoren Martin Luther und Johannes Brenz. Sie wanderten für über 2 Jahrzehnte ins Heimatmuseum.

Der Schwenninger Uhrenschildmaler Johannes Jauch hatte sie 1857 - nach Vorlagen gemalt. In der alten Kirche hingen sie bis 1963 an der Stirnseite rechts und links neben der erhöhten Kanzel. Zwischen ihnen predigte der jeweilige Pfarrer. 1987 bekamen sie wieder einen Platz in der Kirche, wenn auch nicht denselben: Sie hängen nun an der Seite, jeweils kurz vor dem Beginn der Seitenschiffe.

Die Fenster mit Bibelmotiven

Schwenninger Familien in Amerika stifteten 1927 vier Kirchenfenster mit Motiven aus der Bibel, sie hängen im hinteren Bereich des Hauptschiffs.

Auf der linken Seite befinden sich Darstellungen aus dem Alten, auf der rechten Seite solche aus dem Neuen Testament.

Linke Seite, hinteres Fenster, von oben nach unten:
Adam und Eva - die Vertreibung aus dem Garten Eden - die Sintflut mit der Arche - Gott besucht Abraham in Gestalt von drei Männern.

Vorderes Fenster auf der linken Seite von oben nach unten:
Der Sündenbock wird in die Wüste getrieben (3. Mose 16) - Mose vor Pharao - Mose erhält die Gebotstafeln - Israel wird in der Wüste von Schlangen bedroht (4. Mose 21) - Jona, dem Walfisch entkommen.

Auf der rechten Seite befinden sich die Kirchenfenster mit Motiven aus dem Neuen Testament.

Vorderes Fenster, von unten nach oben:
Jesu Geburt mit Maria und Josef - Jesus stillt den Sturm auf dem See - Jesus wird von einer Sünderin gesalbt - ganz oben: Lazarus  wird aus dem Grab zurückgerufen.

Hinteres Fenster, von unten nach oben:
Jesus zieht in Jerusalem ein - das letzte Mahl Jesu/Abendmahl - Kreuzigung Jesu - ganz oben: die Auferstehung Jesu.

Innenausstattung

Kanzel, Taufbecken, Leuchter und Kreuz auf dem Altar wurden nach den Entwürfen von Prof. Yelin durch die Schwenninger Schlosserei Fromm gefertigt.

Der wuchtige Altar trägt an den Seiten das Symbol der Weintraube (Joh. 15) und das der Fische, die in der verfolgten Gemeinde von Rom als Erkennungszeichen dienten.

Die Orgel mit 47 Registern, von Dr. Walter Supper konzipiert, wurde 1966 von Steinmeyer gebaut und 1985 auf Anregung von Prof. Hermann Maihöfer, Schwenningen, klanglich erweitert und verbessert. Aktuell fand eine große Sanierungsmaßnahme verbunden mit weiteren Verbesserungen im Jahr 2009 statt.

Glocken, Turm und Grabplatten

Die drei Glocken auf dem Turm läuteten 1951 zum ersten Mal. Den letzten Glockenraub hatten die Nazis begangen.

Bei der Außensanierung 1999 wurde diese Sturmfahne auf der Kirchturmspitze durch einen neuen Wetterhahn ersetzt. In der Stahlkugel fanden sich eingeschweißt Erinnerungsgegenstände aus der Zeit um 1900. Nach Sichtung und Dokumentierung wurden diese, ergänzt durch Material aus der Gegenwart, wieder in luftiger Höhe neu für künftige Generationen verwahrt.

Vier Grabplatten an der Außenwand erinnern daran, dass die Kirche bis 1727 von einem Friedhof umgeben war. Drei Grabsteine bewahren das Gedächtnis von Pfarrern früherer Jahrhunderte: Pfarrer Christoph Krafft Kreußer (1693 - 1710), Pfarrer Daniel Oeder (1710 - 1736), Pfarrer Georg Thomas Habelshofer (1736 - 1752).