Die Geschichte des Markusbezirks 1950 bis 2005: "Korea-Siedlung" - Markuskirche - Rinelengebiet -Rinelenzentrum

Referat bei der VHS-VS im Oktober 2005- Pfr. Andreas Borchardt

Einleitung: Wandel der Gemeindestruktur in der "Korea-Siedlung" 1950 bis heute

Die Zeit von zwei Generationen ist vergangen, seitdem Anfang der 50er Jahre die sogenannte „Korea-Siedlung“ hier in der Schwenninger Nordstadt gebaut wurde.
Häuser bleiben stehen, manchmal über Jahrhunderte hinweg, die Menschen jedoch, die darin wohnen, haben ihre begrenzte Lebenszeit – und so hat sich auch die Wohnbevölkerung hier im Siedlungsgebiet seit damals von Grund auf verändert- einige statistische Beobachtungen, im besonderen Blick auf die evangelischen Bewohner:
Laut dem Bürgerbuch wohnen heute im engeren Gebiet der Koreasiedlung 194 Erwachsene, davon sind nach unserer Gemeindeliste 98 Erwachsene evangelisch,  sowie 12 Kinder.  Unter diesen 98 heutigen evangelischen Gemeindegliedern sind noch ca. 23 Personen, die vor 1963 zugezogen sind- und so vermutlich zur ersten Generation im Siedlungsgebiet gehören. 75 Personen dagegen sind später zugezogen bzw. erst nach der Bauzeit geboren.
Zusammenfassend wird –zumindest im Bezug auf die evangelischen Bewohner- deutlich, dass heute nur noch ein kleinerer Anteil einen direkten persönlichen Bezug zur Bauzeit Anfang der 50er-Jahre hat, die meisten haben das Gebiet  als bestehende, ältere Siedlung vorgefunden.
Im Blickwinkel der Evangelischen Kirchengemeinde möchte ich nun die Entwicklung in diesem Stadtviertel seit der Nachkriegszeit schildern.
Meine Quellen dabei waren vor allem die Darstellungen von Pfarrer Bernhard Lörcher, geschäftsführender Pfarrer der Kirchengemeinde von 1947 bis 1969, sowohl in seinem Buch „Erlebte Kirchengeschichte in Schwenningen 1947 bis 1969“ als auch in weitaus ausführlicher Form in einem Manuskript, das er im Ruhestand in Stuttgart-Degerloch verfasst hat. Über die bisherige Markuskirche sind wertvolle Grundinformationen in einem Heft von Walter Schlenker zusammengestellt, Walter Schlenker war bis letztes Jahr stellvertretender Kirchenpfleger und Rechner der Kirchengemeinde.

 

 

A. Von der Nachkriegszeit bis zur Einweihung der Markuskirche 1956

1. Die Entwicklung der Nordstadt bis 1953 im Blickwinkel d. Evg. Kirchengemeinde

Als Bernhard Lörcher 1947 nach Schwenningen kam, war die Kirchengemeinde seit den Zwanziger Jahren in vier Parochien eingeteilt, Stadtkirche I, Stadtkirche II, Pauluskirche und Johanneskirche. Jedoch sind Stadtkirche II und Johanneskirche schon vor dem Krieg wesentlich stärker gewachsen als die beiden anderen, Johannes auf dem Sauren Wasen - und Stadtkirche II zunächst  östlich der Dauchinger Straße.
Westlich dieser Achse entstand dann in den 50er-Jahren zum einen unsere „Korea-Siedlung“, zum anderen waren durch die Planung des neuen Krankenhauskomplexes bald auch weiter Richtung Westen neue Wohngebiete am Entstehen.
Nebenbei bemerkt: Für den Namen „Korea-Siedlung“ gibt Lörcher die doppelte Begründung, dass sie im Volksmund bald „wegen der Farbe der Häuser und des gleichzeitigen Krieges“ diesen Namen erhielt.
Die Gemeindegliederzahl war also stark am Wachsen in jenen Jahren- und sowohl im Blick auf die Pfarrbezirke wie auch im Blick auf die Versorgung mit Kindergartenplätzen mussten Anfang bis Mitte der 50er-Jahre neue Lösungen gefunden werden.
Der erste Schritt war dazu der Bau des Ludwig-Richter-Haus, der zweite dann die Übernahme der Friedhofskapelle als evangelische Markuskirche mit zugehörigem Pfarramt und zugehörigem Gemeindebezirk.

 

2. Der Bau des Ludwig-Richter-Hauses 1953: Gemeindehaus und Kindertagesstätten

Ludwig-Richter-Haus

Die noch bis Mitte der 60er Jahre kontinuierlich ansteigenden Geburtenzahlen brachten damals einen erheblichen Bedarf an Kindergartenplätzen mit sich, die bisherigen Einrichtungen waren überfüllt und die Kirchengemeinde plante deshalb, hier in der entstehenden neuen Siedlung ein Kindergartengebäude zu errichten, die Stadt bot dafür ein günstiges Grundstück an. Bernhard Lörcher berichtet, wie er erschrak, als bei den Vorplanungen Kosten von über 100.000 DM errechnet wurden – für das Empfinden der Nachkriegszeit eine ungeheure Summe.
Eine erste Planung dafür wurde abgelehnt, eine zweite Planung wurde dann auf Empfehlung des Oberkirchenrats von Architekt Ruff durchgeführt. Um auch das Untergeschoß ausbauen zu können, wurde aus dem Kirchengemeinderat angeregt, den Kindergartenteil des Gebäudes etwa einen halben Meter zu heben. Im Hintergrund stand dabei der Gedanke, dort einen Kinderhort für Schulkinder einzurichten, was damals, angeregt durch einen Vortrag von Professor Eduard Spranger, in Schwenningen diskutiert wurde.
Im Einvernehmen von Kirchengemeinderat und Stadtverwaltung wurde die Planung entsprechend erweitert und der Bau in einem starken halben Jahr erstellt, wie es heißt, Dank dem schönen Herbstwetter 1953.
Für den Namen des Gebäudes wurde vom Kirchengemeinderat der Bezug auf eine anliegende Straße vorgeschlagen. „Dürer“ oder „Grünewald“ schienen jedoch für einen Kindergarten weniger geeignet, von daher entschied man sich schließlich  für „Ludwig Richter“. Und weil außer dem Kindergarten ja auch Hort- und Jugendräume, Kindergärtnerinnenwohnungen sowie eine Pfarrwohnung im Haus untergebracht wurden, nannte man es schließlich „Ludwig-Richter-Haus“ und nicht allein „Ludwig-Richter-Kindergarten.“
Nach der Einweihung des Hauses 1953 konnte der Kindergarten sofort eröffnet werden, der Hort zwei Monate später, beide Einrichtungen waren sofort voll besetzt.

3. Das Entstehen des Markusbezirks 1956: Markuskirche und Pfarramt

Markuskirche - 1956

Wir hatten bereits festgestellt: Der Gemeindebezirk Stadtkirche II war enorm gewachsen,  und die Kirchengemeinde musste über eine weitere Aufteilung und die Einrichtung einer weiteren Pfarrstelle nachdenken.
Eine Vorstufe dazu gewissermaßen bildete die Errichtung des Ludwig-Richter-Hauses, besonders in seiner Funktion als Gemeindehaus und Pfarrhaus:
Es gab hier nun bereits ab 1953 auch Gemeinde -und Jugendräume sowie eine Pfarrwohnung, in die Pfarrer Max Jonischkeit mit Familie eingezogen war.
Jonischkeit vertrat seit Kriegsende die Pfarrstelle Stadt II, regulärer Stelleninhaber war immer noch Pfarrer Sandberger, der vermisst war, auf dessen Rückkehr aus der Gefangenschaft man aber immer noch lange hoffte. Jedoch, schreibt Lörcher, „wurde immer deutlicher, dass damit nicht zu rechnen war, so dass eine Neubesetzung von Stadt II in absehbarer Zeit zu erwarten war. So bot sich 1956 die Möglichkeit, durch Schaffung einer Pfarrverweserei den Bezirk zu teilen.“ Das heißt konkret:  Stadtkirche II wurde 1956 neu besetzt mit Pfarrer Gondosch, und die Schwenninger Nordstadt wurde zu einem eigenständigen Gemeindebezirk, für den jetzt Pfarrer Max Jonischkeit zuständig war. Dieser neue Bezirk erhielt zunächst für wenige Monate die Bezeichnung Stadtkirche III, ab Dezember 1956 dann den neuen Namen Markuskirche – angelehnt an die bisherige Friedhofskapelle, die als Evangelische Markuskirche am 1.Advent 1956 eingeweiht wurde.
Diese Kapelle im Alten Friedhof lag sozusagen mitten im neuen Nordstadtbezirk, und war seit ihrer Stiftung 1908 durch Kommerzienrat Mauthe im städtischen Besitz. In der Nachkriegszeit wurde sie nur noch selten für Begräbnisse in den Familiengräbern auf dem Alten Friedhof genutzt und war bis dahin ein trostloser Raum fast ohne Inventar.
Da es im Ludwig-Richter-Haus keinen Gottesdienstraum gab, bot sich die Kapelle regelrecht für eine solche Nutzung an, Lörcher schreibt: „Ich hatte schon lange ein Auge auf den Alten Friedhof (d.h. die Friedhofkapelle) geworfen.“
Es gelang, die Stifterfamilie für die Unterstützung des entsprechenden Antrags an die Stadt zu gewinnen, und die anschließenden Verhandlungen führten zu einem Mietvertrag, der bis Ende 2004 in Kraft war: Die Stadt überlässt die Kapelle an die Kirchengemeinde gegen laufenden Unterhalt. Zur Instandsetzung hat die Stadt damals und auch bis in die letzten Jahre hinein dankenswerterweise mit beigetragen.
Unter der Leitung von Architekt Vogel wurde die Kapelle zu einem ansprechenden Gottesdienstraum umgebaut, Altar, Kanzel und Taufstein wurden beschafft, das bisherige Gestühl der alten Johanneskirche eingebaut, für die Stromleitung haben Jugendgruppen des CVJM einen Graben vom Ludwig-Richter-Haus her gezogen,  wenige Jahre später kam durch großzügige Spenden noch eine Kleinorgel hinzu.
Bei der Namensgebung schied zunächst der alte Name „Friedhofkapelle“ aus, um eine Verwechslung mit der Kapelle auf dem Waldfriedhof auszuschließen. Eine Übertragung des Namens „Ludwig-Richter“ wurde ebenfalls abgelehnt. Nach Erörterung verschiedener Möglichkeiten wie Brenz-, Heilig-Geist-, Lukas oder Petruskapelle gewannen im Kirchengemeinderat schließlich die Vorschläge „Markus-„ und „Auferstehungs“-kapelle an Gewicht. Der Kirchengemeinderat entschied sich dann zunächst für „Auferstehungskapelle“, nach einem Gespräch mit der Stifterfamilie wurde dieser Beschluss jedoch abgeändert und die Bezeichnung „Markuskirche“ endgültig gewählt.

B. Der Markusbezirk bis zur Einweihung des Rinelenzentrums 1972

1. Markuskirche, Markusbezirk und Ludwig-Richter-Haus bis 1972

Die neue Kirche erhielt rasch starken Besuch, wie Lörcher berichtet. Über lange Zeit hin gab es hier sogar zwei Gottesdienste am Sonntag, kurz vor der Einweihung des Rinelenzentrums 1972 waren die Zeiten 9.00 und 10.15 Uhr.
In Markuskirche und Ludwig-Richter-Haus entfaltete sich nun das Gemeindeleben der 50er- und 60er-Jahre.  Kinder- und Jugendgruppen, Frauenkreis, Konfirmandenunterricht und Bibelstunde fanden im Gemeindehaus statt, Kindergartenfeste im Garten, gut besuchte Gemeindenachmittage verbunden mit Bazaren, die, wie Lörcher schildert, auch dem persönlichen Kontakt in der Gesamtgemeinde gute Dienste leisteten.
Und in der Markuskirche haben durch die Jahrzehnte viele Brautpaare sich das Ja-Wort gegeben, wurden viele Kinder getauft, haben sich Gemeindeglieder Sonntag für Sonntag getroffen, um miteinander zu beten, zu singen und Gottes Wort zu hören. Für viele Menschen aus der direkten Umgebung des Alten Friedhofs wie aus ganz Schwenningen ist das „Kirchle“ zu einem Stück geistlicher Heimat geworden.
Auch die Kinderkirche fand damals in der Markuskirche statt, zeitweise in der Sakristei, wie mir erzählt wurde. Beeindruckt vom gewaltfreien Freiheitskampf der dunkelhäutigen Amerikaner, haben die Jugendgruppen Ende der 60er-Jahre ihrem Raum im Ludwig-Richter-Haus den Namen „Martin-Luther-King-Saal“ gegeben

 

2. Planung und Bau des Rinelenzentrums

Schon bei der Einweihung der Markuskirche 1956 zeichnete sich das weitere Wachstum der Schwenninger Nordstadt ab, über das Gebiet hier am Alten Friedhof hinaus.
Ende der 50er-Jahre entstand dort das neue Rinelen-Wohngebiet.
Ursprünglich war hier eine neue Kirche mit Gemeinderäumen und Pfarrhaus vorgesehen, bald erschienen ebenfalls Kindergärten jeweils beider Konfessionen als notwendig, da auch der Ludwig-Richter-Kindergarten inzwischen überfüllt war.
Katholischerseits entstand so der St.Hubertus-Kindergarten, verbunden mit Räumen, die ursprünglich auch als Gemeinderäume dienten.
Entsprechend war gleichfalls ein evangelischer Kindergarten geplant, die Rinelenschule sollte nur vorübergehend als Schulgebäude dienen und später dann als Kindergarten zur Verfügung stehen, wenn am Deutenberg eine neue große Grundschule gebaut worden wäre. Allerdings: Das Provisorium Rinelenschule existiert bis heute, und zu einem evangelischen Kindergarten auf Rinelen ist es nie gekommen.
Allerdings, direkt neben der Rinelenschule konnte die Evangelische Kirchengemeinde das Baugrundstück "Am Hang" erwerben, eine lange Suche nach einem geeigneten Grundstück war vorausgegangen. Im Lauf der Zeit war der Kirchengemeinderat  zur Erkenntnis gekommen, dass die Zeit großer Kirchenbauten vorbei sein- und hier stattdessen ein Gemeindezentrum mit integriertem Gottesdienstraum gebaut werden sollte.
Am 9.Juni 1971 konnte der Grundstein gelegt werden konnte für das neue Gemeindezentrum Rinelen. Im darauf folgenden Jahr konnte dieses, bestehend aus dem eigentlichen Gemeindehaus sowie der Hausmeister- und Pfarrwohnung, fertig gestellt und am 29.Oktober 1972 schließlich eingeweiht werden.
Architekt Eugen Maier ging bei seiner Planung des Gemeindezentrums von der Vorstellung aus, es in das bereits vorhandene Geschäftszentrum rings um das Straßenrondell auf Rinelen zu integrieren- und so in Verbindung mit der direkt angebauten Rinelen-Grundschule ein echtes "Zentrum des Stadtteils Rinelen" zu schaffen.
An die Stelle einer ursprünglich vorgesehenen Kirche trat dabei in der Planung ein großer Gottesdienstraum, der auch für andere Zwecke nutzbar und durch eine Trennwand teilbar ist. Hinzu kamen dann ein Gemeinderaum, eine Küche, sowie ein Jugend- und ein Bastelraum sowie die notwendigen Nebenräume und einem großzügig gestalteten Foyer. Für viele Menschen ist das Rinelenzentrum seitdem ebenso zu einem Stück Heimat und zu einem Ort geworden, wo manche Erinnerungen zu Hause sind.

 

 

C. Der Markusbezirk 1972-2004

1. Gottesdienste und Gemeindeleben

1972 bildet also eine Zäsur im Gemeindeleben des Markus-Bezirks:
Das Gemeindeleben, Gruppen und Kreise, Konfirmandenunterricht und Kinderkirche, Feste und anders verlagerte sich nun vom Ludwig-Richter-Haus ins neue Rinelenzentrum, Pfarramt und Pfarrfamilie zogen ebenfalls dorthin um.
Das Ludwig-Richter-Haus blieb Kindertagesstätte, einige Zeit wurde die Pfarrwohnung noch von Stelleninhabern von Stadtkirche II benutzt, z.B. von Pfarrer Peter Berner.
Im Blick auf die Markuskirche hat die Kirchengemeinde sich 1972 entschieden, auch weiterhin dort Gottesdienste zu feiern, somit gab es bis 2004 im Markusbezirk zwei Gottesdienstorte, um 9.00 Uhr die Markuskirche, um 10.15 Uhr das Rinelenzentrum.
Von der Bevölkerungsstruktur her bildete die Seniorenarbeit durch die Jahrzehnte einen Schwerpunkt der Gemeindearbeit im Bezirk, andernteils waren aber auch viele Jungscharen und Jugendgruppen zu Hause im Rinelenzentrum, nicht zu vergessen die Kinderkirche mit einer langen Tradition, bis heute findet hier an jedem Sonntag während der Schulzeit Kindergottesdienst statt. Darüber hinaus treffen sich hier seit langem zwei Kreise des CVJM sowie auch wöchentlich der Posaunenchor.
Zu nennen sind auch Gemeindefeste, Gemeindeausflüge, bis hin zu den beiden Rinelen- Stadtteilfesten in den Jahren 1998 und 2001, bei denen sich jeweils über 500 Bewohnerinnen und Bewohner auf dem Platz vor dem Rinelenzentrum bei einem schönen Sommerfest begegnet sind.

2. Pfarrer und Mitarbeitende

Die ersten Jahre ab 1966 noch im Ludwig-Richter-Haus wohnend, ist Pfarrer Bernhard Pfleiderer mit seiner Familie 1972 ins neu erbaute Rinelenzentrum umgezogen.
Als Pfarrer der Markuskirche folgte ihm im Sommer 1986 Harri Wunderlich, der einige Jahre zuvor bereits Pfarrer an der Schwenninger Johanneskirche gewesen war.
Im Juli 1995 ging Wunderlich in den Ruhestand, nach einem dreiviertel Jahr Vakatur
kam Andreas Borchardt zum 1.März 1986 als Pfarrvikar auf die Markus-Stelle, im November 1996 wurde er dann als Pfarrer eingesetzt. Auch einige Vikarinnen und Vikare waren im Lauf der Zeit hier tätig, wie Christof Vetter, Gisela Vogt und Walter Schwaiger.
Eine Gemeinde lebt aber an erster Stelle nicht aus den Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern aus allen, die in ihr Verantwortung übernehmen und sich darin engagieren, die sich vom guten Geist Gottes beflügeln und in Bewegung setzen lassen. Gegenwärtig ist es ein Personenkreis von ungefähr 100 Erwachsenen und Jugendlichen, der sich im Markusbezirk engagiert, von den Mitgliedern im Kirchengemeinderat und Gemeindeausschuss über den Besuchsdienst, Gemeindebrief-Dienst, Helferkreis bei den Gottesdiensten im AWO-Heim, den Mitarbeitenden im Kindergottesdienst und bei Konfirmandenfreizeiten und manches mehr.
Die Gemeinde ist allen diesen ehrenamtlich Mitarbeitenden zu großem Dank verpflichtet, ebenso den angestellt tätigen Mitarbeitenden wie z.B. den Mesnerinnen, Kirchenmusikern, Erzieherinnen, Sekretärinnen und Verwaltungskräften.
Mesnerinnen an der Markuskirche waren in den letzten Jahren Johanna Hoffmann und Lydia Frick, Mesnerin im Rinelenzentrum Almaz Belai, Kirchenmusiker waren Martina Schobersberger, Claire Charpentier und Maik Wollenhaupt. 1999 bis 2003 hatte der von Maik Wollenhaupt geleitete Kinderchor der Kirchengemeinde auch seine Heimat im Rinelenzentrum.

3. Kindertagesstätten im Ludwig-Richter-Haus

Ein besonderer Schwerpunkt hauptamtlicher kirchlicher Arbeit im Markusbezirk liegt weiter auch in der Kindergarten- und Hortarbeit im Ludwig-Richter-Haus.
Der Kindergartenbereich hat in den letzten Jahren viele Veränderungen und Umwälzungen erlebt, bis hin zur notwendig gewordenen Abgabe mehrerer bislang evangelisch getragener Einrichtungen in Schwenningen.
Im Ludwig-Richter-Haus ist in der Zeit seit 1972 manches umgebaut und verändert worden, er bietet jetzt Platz für drei Gruppen sowie einen zusätzlichen Gymnastikraum.
Leiterin des Kindergartens ist seit einigen Jahren Frau Elke Jörger, schon vorher als Gruppenleiterin hier tätig.
Leiterin des Kinderhorts war lange Zeit Frau Christine Seeck, bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im letzten Jahr, die Kinderhortarbeit liegt nun in den Händen von Frau Elli Tepaß (Leitung) und Frau Marion Borke.
Kindergarten und Kinderhort sind Einrichtungen der Kirchengemeinde, es gibt immer wieder Verbindungen und Verknüpfungen mit der Gemeindearbeit: Kindergruppen haben Familiengottesdienste  und Seniorennachmittage mitgestaltet, Feiern der Einrichtungen fanden im Rinelenzentrum statt, die Einrichtungen haben sich bei den Rinelenfesten mit eingebracht. Sie sind auch durch einen festen Sitz im Gemeindeausschuss des Markusbezirks vertreten. Der Kindergarten arbeitet seit einiger Zeit mit dem AWO-Seniorenzentrum zusammen, regelmäßig kommt es zu Begegnungen der Kinder mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Vor wenigen Jahren konnte die Kirchengemeinde die Außenanlagen des Hauses neu und ansprechend gestalten,  zuvor schon ein Stück des Alten Friedhofs als Spielgarten mit zur Anlage hinzugewinnen.

4. AWO-Pflegeheim und Krankenhaus

Im Markus-Bezirk liegen örtlich sowohl das Pflegezentrum der Arbeiterwohlfahrt wie auch das Schwenninger Klinikum, von daher gehörten beide Einrichtungen nach ihrem Bau auch zur Zuständigkeit des Markus-Pfarramts.
Solange das AWO-Heim noch Altersheim im klassischen Sinn war, sind von dort manche Bewohner immer regelmäßig auch zum Gottesdienst in der Markuskirche gegangen. Seitdem das Haus überwiegend zum Pflegeheim geworden ist, hat dies sich verändert, umso wichtiger sind die Gottesdienste im Haus, die in Zusammenarbeit mit der kathiolischen Kirchengemeinde wöchentlich angeboten werden. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beiderlei Konfessionen sind den Bewohnerinnen und Bewohnern behilflich, diese besuchen zu können. Besondere Höhepunkte des Jahres bilden dabei eine gemeinsame Weihnachtsfeier mit Gottesdienstteil, eine Abendmahlsfeier in der Karwoche sowie, durch Initiative der neuen Heimleitung eingeführt, eine Gedenkfeier für die Verstorbenen jeweils zu Jahresbeginn.
Lange war das Markus-Pfarramt auch für die Krankenhausseelsorge im Schwenninger Klinikum zuständig, es war trotz intensiver Bemühungen in der Vergangenheit nicht gelungen, eine gesonderte Krankenhaus-Pfarrstelle zu erhalten.
Allerdings hat der Pfarrer von Talheim hier seit einigen Jahren einen 25%-igen Dienstauftrag, und seit 1999 ist die Pfarrstelle Johannes 1 innerhalb der Schwenninger Kirchengemeinde dafür zuständig. Wir sind auch hier dankbar für einen Kreis von Ehrenamtlichen, die im Besuchsdienst mitarbeiten und dafür zum Teil auch eine umfangreiche Fortbildung absolviert haben. Im Besuchsdienst arbeiten wir eng mit der katholischen Gemeinde, insbesondere Pastoralreferent Uli Viereck und seinen Mitarbeitenden, zusammen, auch die Mitarbeitenden der Ökumenischen Krankenhausbücherei engagieren sich seit vielen Jahren für die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus.
Wenn der Neubau des Klinikums in einigen Jahren bezogen wird, wird es im Markus-Bezirk am Ort des bisherigen Klinikums eine größere Strukturveränderung geben.

 

 

D. Die heutige Situation

1. Abgabe der Markuskirche 2004- Die Zukunft des Gebäudes

Fast fünfzig Jahre gab es sie, die Markuskirche im Alten Friedhof.
Am 31.Oktober 2004 fand dort nun der letzte evangelische Gottesdienst statt.
Die Kirchengemeinde musste Anfang 2004 eine Entscheidung über die Zukunft der Markuskirche treffen: Der technische Zustand am Gebäude war mittlerweile so in die Jahre gekommen, dass eine größere Renovierung dringend notwendig war.
Mehrfach war in den Jahren zuvor die unterirdische Stromversorgung unterbrochen, die interne Elektroinstallation stammte noch aus den 50er-Jahren, die elektrischen Heizstrahler aus der alten Johanneskirche, im Gebäude gab es keinen Wasseranschluss, alles Wasser musste von Hand vom Ludwig-Richter-Haus herangeschafft werden.
Eine Schätzung der notwendigen Renovierungskosten belief sich auf über 100.000 €, zudem hätte die Kirchengemeinde für diese Baumaßnahme keine landeskirchlichen Zuschüsse erhalten, da das Gebäude sich nicht in kirchlichem Besitz befindet.
Im Januar 2004 haben wir zunächst noch einen Spendenaufruf für die Renovierung herausgegeben, bei der Finanzplanung im Blick auf die nächsten Jahre mussten wir im Februar dann aber die schwere Entscheidung treffen:
Die Kirchengemeinde kündigt den Mietvertrag für die Markuskirche zum 31.12.2004,  der Frühgottesdienst wird aus der Markuskirche ins Rinelenzentrum verlegt.
Uns war bewusst dabei, was die Markuskirche vielen Menschen bedeutet hat in den letzten Jahrzehnten. Die finanzielle Situation unserer Kirche wandelt sich aber grundlegend in diesen Jahren- auf allen kirchlichen Ebenen wird es gerade im Gebäudebereich noch manche Einschnitte geben in den letzten Jahren.
In Schwenningen möchten wir uns noch stärker als zuvor als eine Kirchengemeinde verstehen- viele Gemeindeglieder sind bewusst auch Schritte in diese Richtung gegangen, und so treffe ich heute Menschen, die früher in der Markuskirche zu Hause waren, sowohl im Rinelen-, jetzt Markuszentrum, wie auch in der Stadt-, Johannes- und Pauluskirche.
Dass die räumliche Entfernung zu den anderen Kirchen für manche ein Problem darstellt, ist uns dabei sehr bewusst, wir hatten deshalb im Oktober und November auch ein kostenloses Kirchentaxi angeboten, das aber leider fast keine Resonanz gefunden hat und deshalb wieder eingestellt wurde.
Wenn wir uns nun auch von der „Markuskirche“ trennen mussten, wollten wir doch den Namen „Markus“ für den Gemeindebezirk im Norden Schwenningens erhalten- und damit ein Stück Tradition und Heimat. Das bisherige Rinelenzentrum heißt deshalb nun Markuszentrum, und danach der Bezirk „Bezirk Markuszentrum“.
Wir freuen uns sehr, dass die ehemalige Markuskirche mit der Christengemeinschaft eine neue Nutzerin gefunden hat, gegenwärtig laufen die Renovierungsmaßnahmen, der neue Namen des Gebäudes lautet nun „Sophienkirche“.

2. Heutiges Profil von Markuszentrum und Bezirk Markuszentrum

Seit Frühjahr letzten Jahres gibt es in der Evangelischen Kirchengemeinde ein neues Gottesdienstkonzept. Im Anschluss an die lange Tradition des Frühgottesdienstes in der Markuskirche findet nun im Markuszentrum auf Rinelen um 8.30 Uhr der Frühgottesdienst unserer Kirchengemeinde statt, in Stadt- und Johanneskirche ist um 10.00 Uhr Gottesdienst, in der Pauluskirche Abendgottesdienst um 18.00 Uhr.
Dazu hin hat das Markuszentrum das Profil „Kinder, Jugend- und Familienkirche“ erhalten. Jeden Sonntag ist deshalb hier weiter Kindergottesdienst um 10.30 Uhr, einmal im Monat ein Familiengottesdienst um 10.30 Uhr, teilweise mit gesondertem Erzählprogramm für die Kinder und Predigt für die Erwachsenen. Ca. 3-4mal im Jahr laden wir vor dem Familiengottesdienst zu einem Gemeindefrühstück ein, das rege angenommen wird.
Ca. 10-bis 12mal im Jahr ist freitagabends um 18.00 Uhr auch Jugendgottesdienst im Markuszentrum. Zur Jugendkirche gehören auch die Jugendgruppen, die sich treffen, derzeit sind das zwei Jugendgruppen unter Leitung von Jugendreferent Markus Buck, die Jugendband unter meiner Leitung, und die VCP-Pfadfindergruppe – geleitet von mir und weiteren Mitarbeitenden.
Auch Mutter-Kind-Gruppen treffen sich seit vielen Jahren- in immer wieder neuer Zusammensetzung- im Rahmen der Kirchengemeinde im Haus.
Als Angebot für alle Menschen, die im Rinelen-Stadtteil leben, planen wir vom Gemeindeausschuss aus, am 2.Juli 2006 wieder ein Rinelenfest durchzuführen, in Anknüpfung an die Feste in den Jahren 1998 und 2001.
Wobei zu bemerken ist, dass die Einwohner des westlichen Teils des Markusbezirks nicht so sehr nach Rinelen orientiert sind – und das Rinelenfest naturgemäß eher schwerpunktmäßig für das Rinelengebiet von Bedeutung sein wird. Es ist aber gleichzeitig dennoch Gemeindefest des ganzen Bezirks und offen für alle aus Gesamtgemeinde und Stadt, die gerne nach Rinelen kommen.

 

 

Ausblick

Markuskirche, Markusbezirk - entstanden in einer Zeit des Wachstums,
als das Stadtgebiet sich Richtung Norden ausdehnte und neue Strukturen notwendig wurden für eine zunehmende Zahl an Gemeindegliedern.
Heute stehen wir vor einer veränderten Situation.
Zwar wächst die Besiedlung auch heute noch weiter, das Baugebiet Strangen ist neu zum Bezirk Markuszentrum hinzugekommen, und wir freuen uns über die Gemeindeglieder aus der Ludwigsburger, Besigheimer, Fellbacher- und den anderen Straßen im neuen Baugebiet. Andererseits ist nicht zu übersehen, dass die Bevölkerungszahl im ganzen wie speziell auch die Gemeindegliederzahl eher rückläufig ist.
Zählte man im Markusbezirk 1972 noch gut 3000 Evangelische, so sind es jetzt noch knapp 2000, vielleicht Dank Strangen auch einmal wieder über 2000.
Statt Expansion muss es nun um mehr Konzentration und Kooperation in der kirchlichen Arbeit gehen. Unsere Angebote müssen und können wir auf größeren Ebenen bündeln und miteinander neu strukturieren. Es kann nicht mehr darum gehen, in jedem Gemeindebezirk alles anzubieten und für alles da zu sein.
Durch die Aufteilung von Referaten zwischen den Pfarrerinnen und Pfarrern hat die Kirchengemeinde schon seit Jahrzehnten diesen Weg begonnen, neben der Geschäftsführung gibt es Referate für Diakonie, Kindertagesstätten, Jugend, Öffentlichkeitsarbeit, Erwachsenenbildung, Kirchenmusik und anderes.
Und auch in der eigentlichen Gemeindearbeit haben wir Dinge, die bislang mehrfach vorhanden waren, zusammengeführt, wie z.B. in der Seniorenarbeit, wo es nun einen gemeinsamen Seniorennachmittag gibt.
So wichtig persönlich die Verankerung ist in der Kirche, wo man getauft, konfirmiert oder getraut wurde, so wichtig ist es für heute und für die Zukunft, uns in Schwenningen als eine Kirchengemeinde zu verstehen- wie auch in der gemeinsamen Verantwortung und im gemeinsamen Glauben mit allen anderen Kirchen in unserer Doppelstadt.
Ein Zeichen für das gemeinsame Glauben und Tun der Kirchen in Villingen-Schwenningen soll der Ökumenische Kirchentag unserer Stadt sein, der im Sommer 2007 stattfinden wird.
Und Ökumene, sie ist nicht nur auf unseren örtlichen Kirchturmhorizont hier an der Schnittstelle von Baar und Schwarzwald beschränkt. Sie verbindet uns mit Mitchristen und Mitmenschen in aller Welt- bis hin auch zu den Menschen in Korea, deren großes Leiden in jenem Krieg vor über 50 Leiden auf merkwürdige, fast bizarre Weise der Siedlung ihren Namen gegeben hat, mit der wir uns heute hier beschäftigen.
Es kann, es darf uns nicht egal sein, wenn irgendwo Menschen leiden müssen auf unserer Erde,   es darf uns nicht egal sein, wenn irgendwo Krieg herrscht auf dieser Welt, daran könnte uns dieser Name „Koreasiedlung“ bleibend erinnern.
 Alle gemeinsam sind wir Geschöpfe und Kinder des einen Gottes, untereinander sind wir Brüder und Schwestern und tragen füreinander Verantwortung. Vielleicht kann auch die angestrebte Partnerschaft unserer Stadt mit einer koreanischen Großstadt dazu beitragen, über eine unermessliche Entfernung hinweg Menschen aus ganz verschiedenen Völkern und Kulturen miteinander zu verbinden.

Aktualsierende Ergänzung:

Nach Abgabe des Markuszentrums an die "Diakonie Ambulant" im Jahr 2012 wurde der bisherige Markusbezirk zum Bezirk Stadtkirche III, entsprechend wurde das bisherige Pfarramt Markus zum Pfarramt Stadtkirche III umbenannt. 56 Jahre, von 1956 bis 2012, hat es diesen vierten Gemeindebezirk der Kirchengemeinde Schwennigen- Markus neben Stadt, Paulus und Johannes, gegeben. Nun ist er zur Stadtkirche, wohin er ursprüglich gehört hatte, "zurückgekehrt".

 

 

Andreas Borchardt,
Pfarramt Markuskirche Schwenningen 1996 bis 2005
Pfarramt Markus Schwenningen 2006 bis 2012
Pfarramt Stadtkirche III  2012-2015